Anthostoma decipiens – Ein alter Bekannter mit einem neuen Gesicht
Im August 2024 wurde bei einer regulären Baumkontrolle durch die Baumart AG an einer Hainbuche ein Pilz entdeckt, welcher in der Branche aktuell heiss diskutiert wird: Anthostoma decipiens – der Auslöser des Anthostoma-Hainbuchensterbens.
Verbreitung
Eigentlich als robust und klimaresistent geltend, war die Hainbuche (Carpinus betulus) lange einer der Hoffnungsträger unter den heimischen Baumarten im urbanen Raum hinsichtlich des Klimawandels. Seit einigen Jahren ist nun aber auch bei uns erkennbar, was in anderen Ländern bereits länger der Fall ist; viele Hainbuchen weisen teils starke Vitalitätseinbussen bis hin zum Absterben auf. Während sich die Fälle in Mitteleuropa seit 2015 häufen (vgl. antoni 2024; cech 2019) wird die Erkrankung sowie deren Auslöser in Italien bereits seit den 2000er Jahren erforscht (vgl. Rocchi et al. 2010). Zur Verbreitung und Schäden in der Schweiz ist noch wenig bekannt.
Als Totholzzersetzer ist der Pilz in Europa bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Laboruntersuchungen weisen darauf hin, dass in den 90-er Jahren ein Wechsel hin zur Pathogenität erfolgte (vgl. Antoni 2024; jki 2018). Ob dies alleine das plötzliche Schadenspotential erklärt oder der zunehmende Trockenstress der Wirte eine entscheidende Rolle spielt, kann noch nicht abschliessend geklärt werden (vgl. Brühwiler 2021). Wahrscheinlich ist aber, dass beide Faktoren von entscheidender Bedeutung sind.
Symptomatik
Auffällig ist vor allem die Nebenfruchtform Cytospora decipiens, welche auch im vorliegenden Fall entdeckt wurde (siehe Abb. 1). Bereits im frühen Befallsstadium können aus noch intakt scheinenden Rindenpartien orange-leuchtende Tröpfchen drücken, welche durch Regen abgewaschen werden und sich so weiter verbreiten können (vgl. cech 2019). Im weiteren Verlauf sterben weiträumig Rindenpartien ab, die Bildung von Wundkallus ist oft nur schwach ausgeprägt. Die befallenen Rindenbereiche werden häufig nekrotisch und unter der Rinde werden die Fruchtkörper der Hauptfruchtform, eine ausgeprägte schwärzliche Schicht, ersichtlich (siehe Abb. 2) (vgl. Cech 2019). Die Krone zeigt häufig einen deutlichen Vitalitätsabfall auf.


Handlungsempfehlungen und Ausblick
Noch konnten keine offiziellen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, da der Erfahrungsschatz über die Ausbreitung und die genauen Infektionswege des Erregers schlichtweg zu gering ist (vgl. Antoni 2024). Die bisherigen Erkenntnisse legen aber nahe, dass eine optimale Versorgung der Hainbuchen und die Vermeidung jeglicher Wunden den Befallsdruck mindern können. In Bezug auf die Baumpflege und ‑kontrolle sollte bei Verdachtsfällen der Kontrollzeitraum verkürzt werden. Dies vor allem aufgrund einer möglichen Beeinträchtigung der Bruchsicherheit befallener Bäume (vgl. Antoni 2024). Dies bedeutet leider aber auch, dass die Hainbuche zukünftig nur noch an gut versorgten Standorten gepflanzt werden sollte.
Im vorliegenden Fall musste die Hainbuche entfernt werden, da sie neben einer deutlich abnehmenden Vitalität und dem besprochenen Befall am Stamm, auch eine ausgeprägte Fäule auf der Zugseite des Stammfusses aufwies.
Quellen:
Antoni, D. (2024): Neuartiger Pilz an Hainbuche. In: TASPO Baumzeitung. (3)
Brühwiler, V. (2021): Neue Erkenntnisse zu Anthostoma decipiens und seiner Rolle als Pathogen der Hagebuche, Masterarbeit ETH Zürich
Cech, T. L. (2018): Rindenläsionen am Stamm von Hainbuchen, assoziiert mit Anthostoma decipiens. In: Forstschutz Aktuell. (65), S. 45 – 50
JKI (2018): Express-PRA zu Anthostoma decipiens
Muser, M. und N. Burgdorf (2022): Neue Pilzerkrankung an Hainbuche. In: AFZ – Der Wald. (8). S. 44 – 47
Rocchi, F., S. Quaroni, P. Sardi, M. Saracchi (2010): Studies on Anthostoma decipiens involved in Carpinus betulus decline. In: Journal of Plant Pathology. (3), S. 637 – 644
Abb. 1: Eigene Aufnahme
Abb. 2: Amadej Trnkoczy (amadej), Anthostoma_decipiens_76797, CC BY-SA 3.0
