Frisch Gepflanzte Flatterulme – Baumart mit Zukunft
Frisch Gepflanzte Flatterulme – Baumart mit Zukunft
Herbstzeit ist Pflanzzeit. Folglich wurde es am neuen Domizil der Baumart Zeit, die Umgebungsarbeiten mit einer Baumpflanzung abzuschliessen. Die Wahl der passenden Baumart war jedoch alles andere als leicht. Die intensive Auseinandersetzung mit der bereits vorgestellten Flatter-Ulme (Ulmus laevis) in Kreuzlingen rückte diese besondere Art jedoch immer wieder in den Fokus.

Die Flatter-Ulme ist eine von drei heimischen Ulmenarten. In der Schweiz ist sie allerdings äusserst selten und ihre natürliche Ausbreitung beschränkt sich auf Gebiete rund um den Neuenburgersee sowie die Flusslandschaften von Aare und Rhein. Im Jahr 1999 wurde der schweizweite Bestand auf lediglich rund 5000 Exemplare geschätzt. (vgl. Häne 2019)
Als Baum der Hartholzaue bringt die Flatter-Ulme bemerkenswerte Eigenschaften mit: Sie ist sowohl in der Lage, längere Überschwemmungen (bis zu 100 Tage) als auch Trockenperioden zu überstehen. Diese Anpassungsfähigkeit macht sie – wie viele andere Arten dieser Pflanzengesellschaft – zu einer spannenden Option für den urbanen Raum, welcher zunehmend von Trockenheit und Starkregen geprägt ist (vgl. ballhorn 2022). Ihre markanten und bei uns einzigartigen Brettwurzeln, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können, verleihen ihr auf feuchten Böden zusätzliche Stabilität.
Anders als die beiden anderen heimischem Ulmen-Arten zeigt sich die Flatter-Ulme weitestgehend resistent gegenüber dem gefürchteten Ulmensterben. Dieses führte im 20. Jahrhundert während zweier Epidemien beinahe zum vollständigen Verlust der Feld-Ulmen sowie eines Grossteils der Berg-Ulmen. Dies beruht jedoch nicht an einer Resistenz gegenüber dem verursachenden Pilz, sondern daran, dass die Ulmensplintkäfer, welche als Vektor für diesen dienen, die Flatter-Ulme wohl nicht als Ulme wahrnehmen. Dies könnte daran liegen, dass sich diese relativ deutlich von den anderen beiden europäischen Ulmen unterscheidet (vgl. Fenner 2018). Tatsächlich wird sie genetisch näher der Amerikanischen Ulme (Ulmus americana) zugeschrieben, weshalb sie mit den heimischen Ulmen keine Hybriden ausbildet (vgl. Dörken & Jagel 2020).
Leider war diese Entwicklung lange nicht absehbar und wurde erst spät erkannt, weshalb alle Ulmen für lange Zeit aus den Pflanzkatalogen verschwanden. Die Flatter-Ulme wurde somit zum Opfer dieser «Kollektivstrafe». Erst in den letzten Jahren konnte sie sich davon langsam befreien.
Diese etwas speziellere Geschichte hat dazu geführt, dass wir Flatter-Ulmen vermehrt als Baumart empfehlen – und nun auch eine vor unseren neuen Standort steht. Dieses Exemplar kann nun gemeinsam mit der Baumart AG in eine bäumige Zukunft wachsen.
Quellen:
Ballhorn D. (2022): «Die am besten angepassten Klimabäume sind Auenwald- und Ufergehölze» www.probaum.online
Dörken V. und A. Jagel (2022): Ulmus laevis – Flatter-Ulme, Flatter-Rüster (Ulmaceae), Baum des Jahres 2019. Jahrbuch Bochumer Botanischer Verein
Fenner R. (2018): Nah am Wasser gebaut www.robinwood.de
Häne K. (2019): Die Flatterulme (Ulmus laevis) www.waldwissen.net






